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Hormon-Yoga 2.0: Von der Pubertät bis in die Wechseljahre und darüber hinaus

Interview mit der Yoga-Lehrerin Bettina Bantleon aus München

Hormon-Yoga galt bisher hauptsächlich als therapeutische Form für Frauen in den Wechseljahren – eine Alternative zur klassischen Hormon- und Hormonersatztherapie. Inzwischen zeigt sich – teilweise studienbasiert – dass sich diese Form des Yoga auch für weitere Frauenthemen bewährt wie unerfüllter Kinderwunsch, Menstruationsbeschwerden, Bewältigung des Alltagsstress und nachlassendes Interesse am Sex. „Ferner können Hormon-Yoga-Übungen durch Hormonmangel bedingte Krankheiten wie Osteoporose sowie Herz- und Gefäßerkrankungen vorbeugen und die Haut straffen“, erklärt Bettina Bantleon, zertifizierte Yoga-Lehrerin aus München. „Außerdem fühlt man sich, unabhängig vom Alter, einfach besser und ausgeglichen.“

Hormon-Yoga ist hauptsächlich bekannt für Frauen in den Wechseljahren. Warum sollen nun auch gezielt jüngere Frauen angesprochen werden?

 Bettina Bantleon: In den 1990er-Jahren wurde Hormon-Yoga ursprünglich für Frauen um die Lebensmitte entwickelt, um durch regelmäßiges Üben die typischen Wechseljahresbeschwerden zu lindern – als Alternative zur konventionellen Hormon- und Hormonersatztherapie. Zu deren Symptomen zählen beispielsweise Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gemütsschwankungen und Haarausfall. In jahrelanger Praxis konnte ich jedoch beobachten, dass diese Form des Yoga auch die Lebensqualität junger Frauen in vielen Aspekten enorm verbessert.

Was meinen Sie damit konkret?

 Bettina Bantleon: Grundsätzlich wirkt sich ein ausgeglichenes Hormonsystem positiv auf das Wohlbefinden jeder Frau aus. Jungen Frauen im Teenager-Alter kann Hormon-Yoga während der Pubertät helfen, eine hormonelle Balance in dieser herausfordernden Phase beim Wandel vom Mädchen zur Frau zu bewirken. Darüber hinaus bietet es bei unerfülltem Kinderwunsch eine Alternative jenseits der Labormedizin. Besonders hinsichtlich des Aspekts, dass bei Frauen ab Mitte 30 bereits die Hormonproduktion langsam zurückgeht. Dies ist auch ein Grund, warum ich vorbeugend Hormon-Yoga bereits ab dem Alter von 35 Jahren empfehle. Störungen während der Menstruation wie das Prämenstruelle Syndrom (PMS) betreffen häufig junge Frauen und sind oft quälende sowie energieraubende Lebensabschnittsgefährten, die sich mit Hormon-Yoga besänftigen lassen. Stress gilt als großer Störfaktor für Gesundheit und Wohlbefinden, und seine Symptome lassen sich durch Hormon-Yoga hervorragend ausgleichen: mit relativ geringem Zeitaufwand und durch gezielte Entspannungstechniken. Die Libido und Lebenskraft werden sanft stimuliert. Frauen fühlen sich meist im Verlauf der Praxis attraktiver und infolgedessen steigt in vielen Fällen das Selbstwertgefühl.

Wie sehen die Übungen des Hormon-Yoga aus?

 Bettina Bantleon: Hormon-Yoga besteht aus einer festen Übungsreihe. Zunächst wird das Herz-Kreislauf-System angeregt. Mit verschiedenen Yoga-Übungen werden die Hormondrüsen bewusst stimuliert, um deren Produktion anzuregen. Sanfte Dehnungen lösen körperliche Verspannungen und kräftigen die Muskulatur gleichermaßen. Zudem werden Akkupressurpunkte stimuliert und die Durchblutung wird durch vitalisierende Atemtechniken unterstützt. Abgerundet werden die Yoga-Übungen durch eine harmonisierende Energiearbeit und diverse Entspannungstechniken. Ich achte stets darauf, die Übungen grundsätzlich an die Bedürfnisse jeder einzelnen Kursteilnehmerin anzupassen, sodass auch Frauen mit körperlichen Einschränkungen ein tiefes Wohlgefühl empfinden.

Das Versprechen des ewigen Jungbrunnens?

 Bettina Bantleon: Das Ziel jeglicher Yoga-Praxis kann niemals sein, der ewigen Jugend hinterherzulaufen. Der Ansatz ist vielmehr, dem Alter gelassen ins Auge zu blicken und dabei gesund und vital zu bleiben. Ein ausbalancierter Hormonhaushalt kann Osteoporose sowie Herz- und Gefäßerkrankungen regulieren und zeigt sich oft durch ein straffes Hautbild aufgrund einer Verbesserung der Zellregeneration und Kollagenbildung.

Sind Vorkenntnisse im Yoga erforderlich?

 Bettina Bantleon: Hormon-Yoga ist ohne Vorkenntnisse leicht zu lernen und jede Frau kann dieses Wissen für sich nutzen. Dafür biete ich Wochenendseminare ebenso an wie wöchentliche Gruppenangebote. Wichtig ist, dass die Übungen regelmäßig praktiziert werden, um das Hormonsystem nachhaltig zu stimulieren. Wer die Bewegungsabläufe beherrscht, kann die Übungsreihe auch zu Hause praktizieren.

Was sollte beim Hormon-Yoga beachtet werden?

 Bettina Bantleon: Weil Hormon-Yoga sehr effektiv wirkt, ist während der Schwangerschaft ebenso davon abzuraten wie in den ersten drei Monaten nach der Entbindung. Bei hormonell bedingtem Brustkrebs und größeren Myomen, also Wucherungen in der Gebärmuttermuskulatur, ist die vorherige Abstimmung mit einem Frauenarzt wichtig. Ein ärztlicher Rat ist auch bei fortgeschrittener Endometriose – das sind Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut – und nach Herzoperationen erforderlich.

Beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen an den Kursen?

 Bettina Bantleon: Yoga wird von den gesetzlichen Krankenkassen als Präventivmaßnahme zur Erlernung von Stressbewältigungs- und Entspannungstechniken unterstützt. Voraussetzung sind ein abgeschlossener Kurs und eine Teilnahmequote von mindestens 80 Prozent. Detaillierte Auskünfte erteilen die Ansprechpartner der jeweiligen Krankenkassen

Zur Person:
Bettina Bantleon (49) beschäftigt sich bereits seit 2003 mit Yoga. Nach einer Ausbildung im Jahr 2009 zur Yoga-Lehrerin (AirYoga, München) schloss sie 2010 bei Dinah Rodrigues eine Ausbildung zur Hormon-Yoga-Lehrerin an und gibt seitdem ihr Wissen an Frauen jeden Alters weiter. Darüber hinaus unterrichtet sie ehrenamtlich psychisch kranke Frauen in Yoga. Bettina Bantleon lebt in München, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

 

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